Thomas De Maizière hält den Personalausweis für sicher. Kann man bei heise.de lesen.
Ist überhaupt etwas sicher? Die Titanic war es nicht. Eine kugelsichere Weste ist es nicht. Und es dürfte den einen oder anderen schockieren – Flughäfen sind es auch nicht.
Der Schrei nach Sicherheit tönt über den Teich und wir tönen zurück. Seit 9/11 erlebt das Wort Sicherheit und dessen Bedeutung aus meiner persönlichen Einschätzung eine Renaissance.
Alles Neue muss sicherer und besser sein, als das vorhergehende. Was bedeutet Sicherheit? Was sind wir bereit für dieses Wort und ein Pseudo-Gefühl von Sicherheit zu opfern? Wieso opfern wir so viel für die Flugsicherheit in Bezug auf Anschläge und tun vergleichsweise nichts gegen die Gefahr, auf der Fahrt mit dem Auto zum Flughafen in einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen? 2008 kamen in Deutschland 4482 im Straßenverkehr im, Fußgänger, Autofahrer und Radfahrer. In der ganzen Welt kamen im Flugverkehr im gleichen Jahr 600 Menschen ums Leben. Terroranschläge eingeschlossen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Terroranschlag in einem Flugzeug stattfindet, kann nicht hoch sein. Die Terrorgefahr in den westlichen Ländern dieser Erde kann nicht hoch sein. Jeder Begriff muss sich an einer Skala messen lassen – und er sollte auch in Korrelation zu anderen Skalen eine Bedeutung haben. Die Gefahr eines terroristischen Anschlags wird für die USA derzeit auf “High oder Orange” seitens der Homeland Security gesetzt. Darunter steht “Significant Risk Of Terrorist Attacks”. Ein Risiko sollte eine Eintrittswahrscheinlichkeit beschreiben. Suggeriert wird hier, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit hoch ist. Das ist, wenn ich richtig informiert bin, seit ca. 9 Jahren der Fall. Seit dem ist nichts mehr passiert, wenn man mal von dem vereitelten Anschlag am 26.12.2009 absieht. Mir ist kein einziger Fall bekannt, bei dem ein Amerikaner auf eigenem Grund und Boden bei einem terroristischen Anschlag umgekommen ist (ausser man deklariert den Irak als 51. Staat der USA).
Gleichzeitig sind seit 09/11 ca. 135.000 Menschen in den USA aufgrund von Mord, Totschlag und ähnlichen Delikten ums Leben gekommen. Und jetzt kommen die Skalen ins Spiel: Welchen Begriff würden Sie wählen, wenn Sie das “Signifikante Risiko eines Terroranschlags auf die USA” ins Verhältnis setzen wollen mit dem Risiko durch klassische Gewaltdelikte ums Leben zu kommen? Bei einem Verhältnis von 135.000 zu in etwa 0 (bzw. 0+9/11 = 2993)?
Und wie würde man unter diesem Aspekt die Bemühungen der USA und den Rest der westlichen Welt im Kampf gegen den Terrorismus sehen im Vergleich zu den Bemühungen Tot durch Gewaltdelikte zu bekämpfen?
Auch wenn wir Wahlkampf für Wahlkampf die gleichen Dinge hören wie soziale Gerechtigkeit, Bildung und wirtschaftliche Kraft – scheint sich in der Realpolitik das Thema vorwiegend um die wirtschaftliche Kraft der Generation Ü40 zu drehen und finanzpolitische Themen. Das 500 Mrd. Euro als Bildungsoffensive in die Bildungspolitik gesteckt würden, wäre mir neu. Dabei wäre es aus meiner Sicht eher ein Garant für wirtschaftlichen Erfolg und sinkende Kriminalität, als es die besten Nacktscanner und Waffenlieferungen je sein können.
Für das Geld könnten wir jedem Schüler mit Bedarf einen Coach zur Seite stellen, wir könnten ganze Familien Coachen, ich weiß nicht genau was passieren würde, aber ich denke es wäre für alle Menschen in diesem Land spürbar! Im Gegensatz dazu stecken wir unheimlich viel Geld in Banken, die eigentlich so wie jede andere Firma auch bei Misswirtschaft den Bach runtergehen sollten. Auch das hätten wir Menschen gemerkt, aber vielleicht wäre es als nachhaltige Erinnerung daran, dass Banken eben auch keine Sicherheit bieten können, ganz gut gewesen.
Und da sind wir wieder, bei der Sicherheit. Hach, hat uns das mit den Banken wieder verunsichert. In der westlichen Welt hält sich Konstant der medial breitgetretene Gedanke omnipräsenter Unsicherheit und die fixe Idee, dass es auch anders ginge. Das ist falsch. Es ist nichts absolut sicher und wir sollten aufhören unsere Zukunft damit zu verbraten Geld und Zeit in Dinge zu investieren die nichts weiter als ein Hirngespinst unserer paranoiden Wahnvorstellungen sind.
Wir müssen, wenn wir als Individuum oder in der Organisation handlungsfähig bleiben wollen Risiken mit einer rein hypothetischen Eintrittswahrscheinlichkeit ignorieren können. 100%ige Kontrolle bedeutet Stillstand. Nicht gegen jede unerwünschte Entwicklung gibt es ein Gegenmittel. Negative Erfahrungen gehören zum Leben dazu, es gehört dazu zu akzeptieren, dass wenn wir Leben auch sterben können. Das Reichtum nur temporärer Natur sein kann, das Banknoten im Zweifelsfall bestenfalls dafür gut sind ein Lagerfeuer zu entzünden. Anders gesagt: Risiken mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit nahe 0 sollten Zeit- und Geldaufwände nahe 0 verschlingen.
Ich möchte garnicht den Abkehr von der zivilisierten Welt heraufbeschwören oder ähnliches, sondern eher darauf hinweisen, dass die Bestandswahrung keinen Mehrwert bietet, sondern sukzessive, als nicht wertschöpfende Betätigung den Bestand an Wissen, Werten abschleift. Bestandswahrung ist der Hund, der seinem eigenen Schwanz hinterherjagt.