Rund Um Linux

31. August 2010

Mit Sicherheit bist Du unsicher.

Filed under: On-Topic — Dennis @ 10:32

Thomas De Maizière hält den Personalausweis für sicher. Kann man bei heise.de lesen.

Ist überhaupt etwas sicher? Die Titanic war es nicht. Eine kugelsichere Weste ist es nicht. Und es dürfte den einen oder anderen schockieren – Flughäfen sind es auch nicht.

Der Schrei nach Sicherheit tönt über den Teich und wir tönen zurück. Seit 9/11 erlebt das Wort Sicherheit und dessen Bedeutung aus meiner persönlichen Einschätzung eine Renaissance.

Alles Neue muss sicherer und besser sein, als das vorhergehende. Was bedeutet Sicherheit? Was sind wir bereit für dieses Wort und ein Pseudo-Gefühl von Sicherheit zu opfern? Wieso opfern wir so viel für die Flugsicherheit in Bezug auf Anschläge und tun vergleichsweise nichts gegen die Gefahr, auf der Fahrt mit dem Auto zum Flughafen in einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen? 2008 kamen in Deutschland 4482 im Straßenverkehr im, Fußgänger, Autofahrer und Radfahrer. In der ganzen Welt kamen im Flugverkehr im gleichen Jahr 600 Menschen ums Leben. Terroranschläge eingeschlossen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Terroranschlag in einem Flugzeug stattfindet, kann nicht hoch sein. Die Terrorgefahr in den westlichen Ländern dieser Erde kann nicht hoch sein. Jeder Begriff muss sich an einer Skala messen lassen – und er sollte auch in Korrelation zu anderen Skalen eine Bedeutung haben. Die Gefahr eines terroristischen Anschlags wird für die USA derzeit auf “High oder Orange” seitens der Homeland Security gesetzt. Darunter steht “Significant Risk Of Terrorist Attacks”. Ein Risiko sollte eine Eintrittswahrscheinlichkeit beschreiben. Suggeriert wird hier, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit hoch ist. Das ist, wenn ich richtig informiert bin, seit ca. 9 Jahren der Fall. Seit dem ist nichts mehr passiert, wenn man mal von dem vereitelten Anschlag am 26.12.2009 absieht. Mir ist kein einziger Fall bekannt, bei dem ein Amerikaner auf eigenem Grund und Boden bei einem terroristischen Anschlag umgekommen ist (ausser man deklariert den Irak als 51. Staat der USA).

Gleichzeitig sind seit 09/11 ca. 135.000 Menschen in den USA aufgrund von Mord, Totschlag und ähnlichen Delikten ums Leben gekommen. Und jetzt kommen die Skalen ins Spiel: Welchen Begriff würden Sie wählen, wenn Sie das “Signifikante Risiko eines Terroranschlags auf die USA” ins Verhältnis setzen wollen mit dem Risiko durch klassische Gewaltdelikte ums Leben zu kommen? Bei einem Verhältnis von 135.000 zu in etwa 0 (bzw. 0+9/11 = 2993)?

Und wie würde man unter diesem Aspekt die Bemühungen der USA und den Rest der westlichen Welt im Kampf gegen den Terrorismus sehen im Vergleich zu den Bemühungen Tot durch Gewaltdelikte zu bekämpfen?

Auch wenn wir Wahlkampf für Wahlkampf die gleichen Dinge hören wie soziale Gerechtigkeit, Bildung und wirtschaftliche Kraft – scheint sich in der Realpolitik das Thema vorwiegend um die wirtschaftliche Kraft der Generation Ü40 zu drehen und finanzpolitische Themen. Das 500 Mrd. Euro als Bildungsoffensive in die Bildungspolitik gesteckt würden, wäre mir neu. Dabei wäre es aus meiner Sicht eher ein Garant für wirtschaftlichen Erfolg und sinkende Kriminalität, als es die besten Nacktscanner und Waffenlieferungen je sein können.

Für das Geld könnten wir jedem Schüler mit Bedarf einen Coach zur Seite stellen, wir könnten ganze Familien Coachen, ich weiß nicht genau was passieren würde, aber ich denke es wäre für alle Menschen in diesem Land spürbar! Im Gegensatz dazu stecken wir unheimlich viel Geld in Banken, die eigentlich so wie jede andere Firma auch bei Misswirtschaft den Bach runtergehen sollten. Auch das hätten wir Menschen gemerkt, aber vielleicht wäre es als nachhaltige Erinnerung daran, dass Banken eben auch keine Sicherheit bieten können, ganz gut gewesen.

Und da sind wir wieder, bei der Sicherheit. Hach, hat uns das mit den Banken wieder verunsichert. In der westlichen Welt hält sich Konstant der medial breitgetretene Gedanke omnipräsenter Unsicherheit und die fixe Idee, dass es auch anders ginge. Das ist falsch. Es ist nichts absolut sicher und wir sollten aufhören unsere Zukunft damit zu verbraten Geld und Zeit in Dinge zu investieren die nichts weiter als ein Hirngespinst unserer paranoiden Wahnvorstellungen sind.

Wir müssen, wenn wir als Individuum oder in der Organisation handlungsfähig bleiben wollen Risiken mit einer rein hypothetischen Eintrittswahrscheinlichkeit ignorieren können. 100%ige Kontrolle bedeutet Stillstand. Nicht gegen jede unerwünschte Entwicklung gibt es ein Gegenmittel. Negative Erfahrungen gehören zum Leben dazu, es gehört dazu zu akzeptieren, dass wenn wir Leben auch sterben können. Das Reichtum nur temporärer Natur sein kann, das Banknoten im Zweifelsfall bestenfalls dafür gut sind ein Lagerfeuer zu entzünden. Anders gesagt: Risiken mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit nahe 0 sollten Zeit- und Geldaufwände nahe 0 verschlingen.

Ich möchte garnicht den Abkehr von der zivilisierten Welt heraufbeschwören oder ähnliches, sondern eher darauf hinweisen, dass die Bestandswahrung keinen Mehrwert bietet, sondern sukzessive, als nicht wertschöpfende Betätigung den Bestand an Wissen, Werten abschleift. Bestandswahrung ist der Hund, der seinem eigenen Schwanz hinterherjagt.

29. August 2010

Sarrazin II

Filed under: On-Topic — Dennis @ 20:16

Auch noch Tage, nach dem die ersten Schockwellen durch die Springer Presse und Politiker Riegen gingen, wird das Thema reflektiert. Unter anderem von mir.

Ein kurzes Statement, sonst schreib ich mir wieder einen Wolf, meine Gedanken in pro und contra.

Pro:
- gut, wenn man die Debatte scharf und direkt führt
- gut, wenn dabei keine Tabus berücksichtigt werden, sondern schonungslos Defizite angesprochen werden
- gut, wenn mal eine andere Sichtweise dargestellt wird

Contra:
- schlecht, wenn die dabei sich integrierende Gruppe verbal dermaßen attackiert und verprellt wird, dass die Integration und Annäherung gehemmt wird
- schlecht, wenn Kritiker der Integration seitens der Deutschen sich dadurch bestätigt fühlen, dass die Integration gescheitert und insgesamt eine eher schlechte Idee ist und Menschen mit Migrationshintergrund und Skepsis gegenüber uns Deutschen sich ebenfalls bestätigt fühlen

Fazit:
Ich stellte die Frage, ob manche Politiker die die Augen vor 50% der Integrationsproblematik verschließen nicht eher die Integration verhindern, als Sarrazin, der die Migranten permanent vor den Kopf stößt. Auf die Frage habe ich keine echte Antwort, bin mir aber sicher, dass beide “Parteien” nicht wirklich die Integrationsprobleme lösen.

Sarrazin zeigt, was und wie der Stammtisch denkt. Und vielleicht hat er dadurch den einen oder anderen Politiker nachdenklich gemacht – an welche Stelle die Integrationspolitik in der Nahrungskette stehen sollte. Das es gefährlich sein könnte, es zu vernachlässigen.

(P.s.: Eine gute Kritik, die ich finde einen bislang nicht berücksichtigten Aspekt ins Licht rückt findet man beim Tagesspiegel.)

26. August 2010

Sarrazin

Filed under: On-Topic — Dennis @ 10:07

Herr Sarrazin schreibt in seinem Buch, welches ich nicht gelesen habe und vermutlich auch nicht lesen werden, Aufreger. Die Details, die bisher durchgesickert sind, sind in etwa das, was wir schon seit Jahren von ihm hören und was regelmäßig die Menschen aufregt. Es ist nicht das erste Mal, dass Herr Sarrazin nun in die rechte Ecke gedrückt wird. Auch mir gefällt einiges wie er sagt oder schreibt nicht – aber darum soll es hier nicht gehen. Es soll darum gehen, wie wir alle unter bestimmten Umständen die Augen zu machen.

Das ist ein schwieriges Thema, an dem man sich die Hände verbrennt, wenn man nur den Anschein macht, man sei auf Sarrazins Seite. Allein der Verdacht, jemand könnte rechtes Gedankengut in sich tragen reicht heute für den gesellschaftlichen Ausschluß, vor allem dann wenn man sich in der Öffentlichkeit bewegt. Daher kann es kaum öffentliche Sympathisanten geben.

Deutschland ist Stand 2010, 60 Jahre nach dem Krieg nicht in der Lage eine sachliche Debatte über Migrationsprobleme zu führen. Der einzige Schluß, der angesichts von Migrationsproblemen erlaubt ist, ist der, dass die deutsche Regierung zuwenig für die erfolgreiche Integration tut. Gründe die den Anschein von Rassismus erwecken, werden versucht so weit wie möglich aus der Diskussion herauszuhalten. Auch in allen anderen Bereichen, in denen Kultur und/oder ethnische Herkunft eine Rolle spielen könnte, werden Schlüsse die als verantwortlichen Faktor Kultur oder ethnische Herkunft sehen, nicht gezogen – weil verboten.

Hinzukommt dass es nicht gern gesehen ist, wenn wir unser Klassensystem aus Proletarieren, Bourgeoisie und Adel+Klerus nutzen um Argumente ins Feld zu führen, die eine Klasse schlechter stellen als die andere. Schon allein das wir Klassen haben ist eine Tatsache, die manchen Unbehagen bereitet, teilweise soviel, das ähnlich wie bei der ethnischen oder kulturellen Herkunft auch die Herkunft einer Klasse wenig dazu geeignet ist, einen negativen Sachverhalt zu erläutern.

Das ist vielleicht ein wenig drastisch formuliert, erklärt aber, warum Herr Sarrazins Aussagen regelmäßig derart angegriffen werden. Es ist kein Problem zu behaupten, dass die Deutschen ein Volk dummer (PISA), fauler (Urlaub), alter Säcke sind. Das kann man problemlos in Buchform oder sonstwo publizieren und man wird vielleicht ein wenig schief angeguckt und / oder es wird auch öffentlich applaudiert. Das gleiche über ein anderes Volk zu behaupten lässt wiederum alle Alarmglocken schrillen – vor allem, wenn man es an einer einzelnen Gruppe festmacht. Wir haben da so einen Reflex was das Herauslösen einer Minderheit aus dem eigenen Volk angeht und deren Schlechterstellung, Negativdarstellung, WurzelAllenÜbels. Wir denken dabei sofort an die Juden, an Adolf Hitler, an den Hass, der in den Menschen geschürt wurde gegen die Juden und letzten Endes den Massenmord an Juden. “Wehret den Anfängen” schreibt Michael Jäger in “Der Freitag”.

Ja, genau darum geht es. Herr Jäger bringt es im Grund gut auf den Punkt. Die Angst vor dem Anfang, dass wieder etwas passieren könnte wie zwischen 1933 und 1945.

Herr Sarrazin macht alles falsch was man nur falsch machen kann
- er polemisiert gegen ein ganzes Land / Kultur / Religion
- schert alle Bewohner dieses Landes / Kultur / Religion über einen Kamm
- stellt sie fast ausschließlich negativ dar
- sieht die Probleme in der Kultur begründet und negiert die Wurzel allen Übels sei hier in Deutschland, in der Bevölkerung

Er macht sicher noch mehr falsch – aber nichts von den vier Punkten ist hierzulande gesellschaftsfähig oder medienfähig. Mit den Deutschen könnte er das übrigens, wie weiter oben geschrieben meiner Meinung nach problemlos machen. Sich selbst klein zu machen, da haben wir 60 Jahre Übung, uns als Wurzel allen übels zu betrachten, das können wir gut.

Wie kann es sein, dass mir ein ehemaliger Marketingleiter von einer bekannten international vertretenen Schuhmarke erzählt, sie würden passend zu den Eigenschaften der jeweiligen Länder unterschiedliche Werbung schalten? Die Deutschen würden auf Testurteile stehen, die Franzosen auf Ästhetik usw. Ich habe mir nicht alles gemerkt, sondern ich habe mir gemerkt, dass für unterschiedliche Kulturen unterschiedliche Werbung für das gleiche Produkt geschaltet wird. Das ist ja auch kein Problem, nichts davon ist negativ behaftet. Man kann einfach sagen, die sind so, wir sind so und gut (wobei das absichtlich nicht so gesagt wird. Es wird eher so gesagt wie “wir schalten Werbung mit Inhalt X für Y usw.”)

Anders würde es aussehen, wenn der Marketingleiter behauptet hätte, die Franzosen wären dumm, weil sie mehr Wert auf die Optik legen, als auf den tatsächlichen Nutzwert. Sie würden ein schlechteres Produkt kaufen, weil es besser aussieht als ein anderes, besser getestetes Produkt. Ich denke der gute Mann wäre, wenn er in einem deutschen Konzern arbeiten würde, morgen weg vom Fenster.

Ist es vielleicht nur die Wertung, die Polemik, die dazu führt, dass Sarrazin einen derartigen Gegenwind bekommt? Wäre sein Buch vielleicht besser angekommen mit dem Titel “Eine differenzierte Betrachtung von Einwanderern muslimischer Herkunft” und in dem Buch hätten dann vollkommen wertfrei Zahlen gestanden? Ein Versuch eine Ist-Analyse als Grundlage für Erwägungen in der Integrationspolitik, eine Art Nachschlagewerk? Sicher kann ich mir da nicht sein, aber ich würde folgende Szenarien als wahrscheinlich betrachten
a) keiner liest das Buch und es werden von der Erstauflage von 1000 Stück 600 in vier Jahren verkauft.
b) das Buch wird, warum auch immer, gelesen und die darin stehenden Zahlen angezweifelt, das Buch wird dann nicht ernst genommen und ist somit auch als Grundlage für politische Erwägungen ohne Nutzwert

Aber nehmen wir doch mal an es würden zwei Zahlen darin stehen. Ich greife mir mal folgendes Beispiel heraus:

“Für die muslimischen Migranten in Deutschland lässt sich eine unterdurchschnittliche Erwerbsbeteiligung feststellen. Nur 33,9 Prozent von ihnen beziehen ihren überwiegenden Lebensunterhalt aus Berufs- und Erwerbstätigkeit. Bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund sind es 43 Prozent. Der Unterschied wäre noch dramatischer, wenn die Daten erlauben würden, eine Altersbereinigung vorzunehmen; unter der deutschen Bevölkerung ist nämlich der Anteil der Menschen im Rentenalter viel höher.”

(Quelle)

Eine ungesunde Mischung aus Zahlen und deren Interpretation. Er nennt sie nämlich dramatisch, er schreibt nicht sofort, dass die Integrationspolitik schlecht ist und der Migrant nichts dafür kann, wenn man ihn nicht willkommen heißt – und er macht an der Stelle noch den Zirkelschluß zu einem vorherigen Argument, der höheren Fertilität der muslimischen Migranten. Super doof. Wie soll man da sachlich argumentieren? Eine nette Aneinanderreihung von Zahlen ist eine Sache – die Interpretation in der Holzhammermethodik Sarrazin wiederum eine andere.

Aber: Nehmen wir mal an, dass die Zahlen stimmen – was können die Politiker dieses Landes tun? Nun, Herr Sarrazin führt Ihnen auf jeden Fall in drastischen Worten vor, dass all Ihre Bemühungen in der Vergangenheit gelinde gesagt vergeblich waren. Wenn man Herrn Sarrazin und andere stumm machen möchte, wenn man nicht will, dass der Tagesspiegel und andere Zeitungen in die Berichterstattung von Übergriffen schreiben, ob es mit Menschen mit Migrationshintergrund ging oder nicht, dann sollte man den Stammtischen, Sarrazin und den Medien allgemein “einfach” mal die Grundlage entziehen. Wenn wir in 20 Jahren schreiben:

“Nur 42,9 Prozent von ihnen beziehen ihren überwiegenden Lebensunterhalt aus Berufs- und Erwerbstätigkeit. Bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund sind es 44 Prozent.” Dann wäre kein Platz mehr für Dramatik, denn die Zahlen würden nicht mehr mit Herrn Sarrazin im Chor, sondern ein eigenes Lied singen.

Wir haben in der Integration Nachholbedarf – und ich sehe ganz ehrlich (wie im Übrigen in fast allen Bereichen) wenig bis keine wirksame Aktivität diesen Bedarf zu befriedigen. Diese Debatte muss geführt werden, wir müssen uns fragen – was können Migranten tun und wir müssen uns fragen, was können wir tun und wir müssen uns fragen wie wir optimal unterstützen können und wie wir optimal unterstützt werden können. Solange wir jedoch 50% der Debatte unter dem Schleier der Nichtdiskutierbarkeit wegen zweiter Weltkrieg verdecken, schließen wir die wichtigste Gruppe bei der Integration aus, nämlich die zu Integrierenden.

Und ich könnte mir vorstellen, dass die Tatsache, dass der rote Faden des Ausschlußes, das wir eine fremde Kultur, eine fremde Gruppe nicht in unsere Mitte nehmen können, weil wir gehemmt sind mit ihnen natürlich umzugehen, ihnen mal die polemische Meinung zu geigen, so wie wir es permanent mit uns selber tun, wir nicht wirklich integrationsfähig sind – eben weil wir immer wieder reflexartig in die Schublade zweiter Weltkrieg greifen.

Können wir natürlich mit fremden Kulturen und Völkern umgehen? Wenn wir nicht mal in der Lage sind eine Diskussion über fremde Kulturen und deren Eigenheiten zu führen? Polemik im politischen Tagesgeschäft ist selten der Grund für einen Diskussionsabbruch – wir hätten nämlich keine Diskussionen mehr unter Politikern, wenn es so wäre. Nein, wir brechen die Diskussion nur dann ab, wenn der Gegenstand ein Nicht-Deutsches-Volk ist. Da können wir nicht drüber reden, da müssen wir denjenigen, der Negativaspekte “gegen” das Nicht-Deutsche-Volk bringt leider sofort in die rechte Ecke stellen. Ende der Diskussion – und jetzt setzen wir mal in Ruhe unsere Integrationspolitik fort. Unter uns. Die Nicht-Deutschen-Völker und deren Kultur bei der Integrationspolitik einfach ignorieren. Ich frage mich allen ernstes wer da die Integration mehr behindert, Sarrazin mit seiner Polemik und den damit eintausendundein Fettnäpfchen in die er tritt oder diejenigen, die in den Medien und Politikerkreisen jede derartige Kritik in die rechte Ecke stellen.

25. August 2010

Der neue Personalausweis – Bei Glatteis bitte nicht Autofahren, ist unsicher. Surprise.

Filed under: On-Topic — Dennis @ 13:00

Man kann es überall lesen oder es auch lassen – im Grunde dürfte es niemanden überraschen, wenn heute behauptet wird, der neue Personalausweis sei unsicher.

Kurzer Hintergrund:
Mit dem neuen Personalausweis ist es möglich sich gegenüber bspw. Handelspartnern im Netz auszuweisen. Dazu braucht man ein Lesegerät, welches an den Computer angeschlossen wird. Von diesem Lesegerät gibt es drei Ausführungen, wobei die einfachste Ausführung (Basis) keine Tastatur hat. Möchte man sich gegenüber einem Handelspartner ausweisen, benötigt man neben dem Perso und dem Lesegerät noch eine sechstellige geheime Nummer. Da das einfachste Gerät keine Tastatur hat, gibt man die Ziffer auf der Computertastatur ein.

Da hakt der CCC nach: Was wäre, wenn ein Trojaner auf dem Kunden-PC installiert ist, der die geheime Nummer mittels Keylogger festhält und anschließend auch noch Daten des Nutzers ausspäht? Nun ja. Das ist natürlich möglich – aber lieber Freunde von der Feuerwehr – es ist auch ein wenig Schwachsinnübertrieben oder?

Jedes System hat Lücken. Wenn ich mit meiner EC-Karte bei Karstadt einkaufen gehe und eine Unterschrift leisten muss, fragt mich in 99% der Fälle niemand nach meinem Ausweis. Die EC-Karte kann ich gerade gefunden haben und die Unterschrift wird oft garnicht und wenn dann nur höchst flüchtig überprüft. Steht ein anderer Kunde neben mir, kann er mir über die Schulter sehen und mit einer billigen Kamera die EC-Karte abfotografieren. Der gute Kunde hat dann meinen Namen, Kontonummer, Blz + Kreditinstitut und wenn er nochmal klickt auch meine Unterschrift gespeichert. Anschrift bekommt er heraus in dem er mir folgt oder meine Adresse versucht über das Internet zu recherchieren (meine PLZ kennt er eventuell, wenn die Verkäuferin mich nach ihr fragt – zur Ermittlung der Reichweite oder was auch immer).

Eine EC-Karte ist also unsicher und das bezahlen mit EC-Karte ebenfalls.

Ich gehe ins Internet und melde mich bei Amazon.de an. Ich gebe irgendwelche Daten an, eine gültige E-Mailadresse und Bankverbindungsdaten, die ich von irgendwoher habe (aus Karstadt bspw. oder aus einem Mülleimer der Tankstelle nebenan). Amazon ist unsicher.

Der technische Weg über den Trojaner macht per se jedes im Internet verfügbare Verfahren unsicher. Wenn ein PC von einem Trojaner befallen wurde, ist nahezu jedes auf Tastatureingaben basierende Verfahren unsicher. Damit sind aber nicht die Produkte (Amazon, Onlinebanking, whatsoever) unsicher, sondern eigentlich der PC.

Ein PC, durch einen Trojaner kompromittiert, ist unsicher und alles was nun auf dem PC geschieht ebenfalls. Ein Verfahren als unsicher zu titulieren, nur weil es auf einem System mit Trojaner nicht in jedem Fall sicher ist, ist ziemlich weit hergeholt.

Auf der anderen Seite ist nicht von der Hand zu weisen, dass es zahlreiche Computer in Händen von IT Fachleuten und IT-Laien gibt, die mit einem Trojaner versehen sind. Die Daten, die der Personalausweis bereithält sind zudem hochinteressant und damit sicherlich das Ziel einiger Trojanerschreiber. Insofern muss man sich als Systemarchitekt des neuen Personalausweises und seiner Möglichkeiten sich digital auszuweisen durchaus Gedanken dazu machen, wie sichergestellt werden kann, dass der Authentifizierungsvorgang nicht ohne weiteres angegriffen wird.

Eine Möglichkeit wäre – wie gruselig – die Schaffung eines staatlich unterstützten Virenscanners. Kann keine gute Idee sein. Oder die Empfehlung einer Live-CD für sämtliche Onlinetransaktionen. Oder die Entwicklung einer virtuellen Tastatur, die in einer virtuellen Maschine läuft, auf die das Hostsystem kaum Zugriff hat (auch das wird wieder nicht 100%ig sein…). Diese virtuelle Tastatur ist dann per Maus zu bedienen – auf deren Bewegungen das Hostsystem ebenfalls keinen Zugriff mehr hat, wenn die virtuelle Tastatur gestartet wurde. Mit einem Verfahren könnte dann die Eingabe der Tastatur verschlüsselt auf dem Clientsystem abgelegt werden oder so ähnlich, so dass das Clientsystem keinen Zugriff auf die geheime Nummer in Reinform hat. Das ist sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss, aber eine Möglichkeit. Andererseits: Muss ich als Diensteanbieter wirklich davon ausgehen, dass der User einen Trojaner auf seinem PC hat?

Wie auch immer: Aus meiner Sicht sollte sich jeder Nutzer des WWW mit dem Thema “Sicherheit” des eigenen PCs beschäftigen. Man darf sich nicht darauf verlassen, dass ein Diensteanbieter wie Amazon oder auch die Bundesregierung dafür sorgt, dass ihr Verfahren unter keinen Umständen angreifbar ist. Der eigene PC sollte von Viren und Trojanern frei sein – dann ist überhaupt erst die Grundlage für sichere Onlinetransaktionen gegeben.

Jedes Verfahren ist unsicher. Neuigkeitswert hat aus meiner Sicht nur etwas, was besonders unsicher ist. Wenn man beispielsweise herausfindet, dass das Auto eines bestimmten Herstellers beim Tritt auf die Bremse Gas gibt – das wär mal ein Knaller. Zu behaupten ein Verfahren ist unsicher, wenn die Umgebung unsicher ist, in der das Verfahren eingesetzt wird, der polemisiert und versucht zu polarisieren. Die Kerbe, das alles was die Bundesregierung macht und beschließt per se Müll ist, ist vorhanden. In die Kerbe schlägt der CCC und die ARD wichtigtuerisch mit dieser Aktion, die eigentlich nichts weiter als heiße Luft ist.

Hätte man einfach gesagt: “Wenn man dieses Verfahren einsetzt ist darauf zu achten, dass der PC auf dem das Verfahren eingesetzt wird frei von Trojanern ist”, dann hätte man zwar ebenfalls nur eine Platitüde von sich gegeben, aber wenigstens eine die nicht ganz so polemisch und pseudo-wichtig gewesen wäre.

Das unsere Politiker aka IT-Laien nun verunsichert sind ist klar. Aus meiner Sicht könnte man es für diese so zusammenfassen: Bei Glatteis bitte nicht Autofahren, ist unsicher. Surprise. – Bei Trojaner auf dem Rechner bitte nicht Onlinetransaktionen tätigen, ist unsicher. Surprise.

Update: Auch Heise entblödet sich nicht (Link1 und Link2) den Unsinn von CCC und Plusminus weiter zu verbreiten. Aus den Artikeln geht nichts anderes hervor, als dass ein mit einem Trojaner versehener PC nicht geeignet für gewisse Aufgaben ist. Aber man zieht daraus einen anderen Schluss: Der Personalausweis ist unsicher. Oder etwas genauer: Das Basislesegerät ohne vorhandene Eingabemöglichkeit am Gerät selber.

Für Betrüger ist es, so laut Plusminus, problemlos möglich Daten abzufangen, inklusive der geheimen Pinnummer. Hm, problemlos.
1) PC Benutzer muss digitalen Personalausweis besitzen
2) PC Benutzer muss den Perso nutzen um sich Online zu identifizieren
3) PC Benutzer muss einen Trojaner installiert haben, der als Keylogger fungiert

Nehmen wir mal an, das würde reichen (was es imho nicht ganz tut, aber nur mal angenommen) so sind das drei Hürden die genommen werden müssen. Problemlos sieht für mich irgendwie anders aus. Einen PC Benutzer zu finden der Kriterium 1 und 2 erfüllt dürfte einfacher werden, je höher der Verbreitungsgrad ist. Bei Teil 3 sieht es schon ein wenig anders aus. Trojaner holt man sich in der Regel nicht einfach so.

Ehrlich gesagt habe ich auch keine gute Lösung parat. Der Endanwender der von Trojanern und Keyloggern nichts weiß, ist vermutlich überfordert wenn es um die Wartung seines eigenen Systems geht. Die Lösung kann sein, dass sich die Anzahl der Systemadministratoren vervielfacht und die IT-Laien sich vermehrt professionelle Hilfe holen werden, weil ihre eigenen Kenntnisse nicht reichen um ihr System sicher einzurichten. Und Aufklärung. Und bessere Betriebssysteme. Vielleicht sollte das BSI ein Fünf-Fragen-Quiz Onlinestellen, das aufgrund der Beantwortung eine bestimmte Lesegerätversion empfiehlt. Ein Vorschlag (Punktezahl dahinter in Klammern):

1) Ein Trojaner ist…
a) …ein Bewohner Trojas (0)
b) …ein anderes Wort für Virus (1)
c) …ein Holzpferd, das von Angreifern genutzt wurde um in Troja einzubrechen (0)
d) …ein Schadprogramm zum Ausspähen von Daten auf einem System (2)

2) Sie habe einen Virenscanner installiert, der auch Trojaner erkennt?
a) Ja (3)
b) Nein (0)

3) Sie benutzen…
a) Windows (1)
b) Linux (2)
c) Apple Macintosh (1)

4) Das letzte Update Ihres Virenscanners war…
a) …heute (3)
b) …gestern (2)
c) …unbekannt (0)

5) Sicherheitsupdates für Ihr Betriebssystem installieren Sie…
a) …nie (0)
b) …ab und zu (0)
c) …öfter als einmal die Woche (2)
d) …täglich (3)

P.s.: Ich bin der Meinung, dass der CCC insgesamt gute Arbeit leistet. Meine Kritik geht an die Art der Berichterstattung. Ich lade Leute mit anderer Meinung herzlich zur Kommentierung ein.

Zivildienst – adieu

Filed under: On-Topic — Dennis @ 10:12

Gleichzeitig mit der Aussetzung der Wehrpflicht wird darüber nachgedacht, was man nun mit den ganzen Zivis machen soll. Immerhin leisten laut Tagesspiegel 90.000 Menschen jedes Jahr Zivildienst. Kristina Schröder, ihres Zeichens Bundesfamilienministerin, möchte gerne die Strukturen beibehalten, die zur Zeit für den Zivildienst existieren – damit, wenn die Wehrpflicht wieder eingesetzt wird, der Zivildienst auch wieder “scharfgestellt” werden kann.

Äh ja. Was das wieder kostet will doch kein Schwein wissen! Und wieder etwas zum Kapitel lieber aufheben und nichts wegwerfen wollen. Der Zivildienst mag ja fürchterlich sozial sein, aber sooo sozial nun auch wieder nicht. Die 650 Mio Euro, die zur Zeit für den Zividienst ausgegeben werden plus die 500 Euro, die jede Zivildienststelle in etwa für einen Zivi selber beisteuern muss (knapp 45 Mio. Euro) sind also 700 Mio. Euro für 90.000 Zivildienstleistende. D.h. jeder Zivi kostet ca. 7700 Euro pro Einsatz, bei 6 Monaten die ab dem 01.07.2010 gelten wären das rund 1300 Euro / Monat. Davon bekommt der Zivi im Schnitt etwa 500 Euro, eher weniger. D.h. 800 Euro laufen in die Verwaltung, bzw. 800 Euro – Krankenkasse. Da Zivis meist jung sind, dürfte die Belastung für die Krankenkassen gering ausfallen.

Was sehen wir also? Einen Machtverlust für ein Ministerium, das einen Haushalt von 6,54 Milliarden hatte und nun davon etwas mehr als 10% abgeben muss. Geld ist Macht und damit schrumpft die Macht des Bundesfamilienministeriums. Reflexartig fordert man nun den Erhalt nicht mehr benötigter Strukturen um Kosten geltend zu machen und auch nach der Abschaffung des Zivildienstes weiterhin den Haushalt hoch zu halten. Sinnvoll wäre aus meiner Sicht sämtliche Strukturen vollständig abzuschaffen und im Falle einer Reaktivierung des Zivildienstes mal ganz von vorne auszufangen. Das kostet – aber gleichzeitig kann man so ganz gut ausmisten.

24. August 2010

Wehrpflicht – adieu

Filed under: On-Topic — Dennis @ 10:10

Wer mal in seiner Wohnung aufräumt wird Dinge finden, die er vor Jahren gesucht hat oder von denen er nicht wusste, dass es sie überhaupt noch gibt. Bei Umzügen passiert das häufiger. Je nach Naturell schmeisst man die Dinge weg oder hebt sie auf.

Die BRD ist eine recht große Wohnung, dort gibt es neben der Bundeswehr bzw. Wehrpflicht noch viele andere Dinge, die man abschaffen müsste. Schaumweinsteuer, Kohlepfennig, Solidaritätsbeitrag…

Ich begrüße die Abschaffung der Wehrpflicht. Wer Dienst an der Waffe tun will darf es gerne tun oder wer Lust auf ein freiwilliges soziales Jahr hat, gerne bitte, immer vor – aber diesen Zwang zu einem von beiden fand ich schon immer abscheulich. Was will ich mit demotivierten Soldaten oder Zivis? Die die ganze Zeit keinen Bock auf was auch immer haben, alles doof finden und froh sind, wenn sie sich irgendwie die Kante geben können.

Meinen herzlichen Glückwunsch zu diesem Schritt und trotzdem: Fail. Wenn ich den Artikel der FAZ da richtig verstehe, ist es vor allem dem Kostendruck zu Gute zu schreiben, dass es nun so kam. Ich hätte lieber ein Gefühl von Vernunft und Logik vermittelt bekommen. Das ein Politiker nachgedacht hat und sagt: Das ist doch überkommen, veraltet und gehört ausgemustert. Also machen wir das.

Solange wir also keinen massiven Kostendruck oder anderen Druck aufbauen, werden die schwachsinnigsten Dinge weitergeführt. Die Tatsache, dass wir einen Kostendruck haben bedeutet folglich, dass wir in Zukunft auf der Ausgabenseite des Staates einsparen und die Einnahmenseite weiter aufbauen werden oder konstant halten. Denn Druck die Schaumweinsteuer oder Soli abzuschaffen – woher soll der wohl kommen? Vom Volk jedenfalls derzeit nicht.

Was ist die Schaumweinsteuer?
Eine Steuer, die auf Sekt und andere Spirituosen mit einem bestimmten Alkoholgehalt erhoben wird. Sie wurde 1902 eingeführt um die Baukosten eines Kanals und den Aufbau einer Kriegsflotte hereinzuholen. 1939 wurde sie, nachdem sie 1933 abgeschafft wurde, als Kriegszuschlag erneut erhoben. Was heute von den 450 Mio Euro, die diese Steuer jährlich einbringt bezahlt wird, weiß ich nicht. Der zweite Weltkrieg war auf jeden Fall 1945 vorbei.

18. August 2010

Ladenschluss

Filed under: On-Topic — Dennis @ 09:27

Das Thema ist mindestens so alt wie ich. Und ich komm nicht drüber hinweg. Und wenn ich sowas hier lesen muss, schon dreimal nicht.

Kurzfassung: Aufgrund von Gewerkschaften wurde die pauschale Öffnung aller Läden am Berliner Hauptbahnhof sieben Tage die Woche verboten. An Sonn- und Feiertagen dürfen nur Reisenotwendige Dinge verkauft werden. Laut Ladenbesitzer sind dadurch rund 80 Jobs gestrichen worden. Ich würde hier aus argumentativen Gründen die 1/10 Regel verwenden. Es wurden also 8 Vollzeitstellen gestrichen. Herzlichen Glückwunsch.

Es ist ja nicht das erste mal, das ich das Thema aufkoche und ich möchte auch nicht Essensreste anbieten, daher in Kurform meine These, was verlängerte Öffnungszeiten (respektive Abschaffung der entsprechenden Gesetzlichen Regelungen) bringen:
- mehr Arbeitsplätze
- USP
- Beschäftigungschancen für Menschen, die tagsüber nicht arbeiten können
- ich muss Samstags nicht doppelt soviel wie normal einkaufen

Ich kenne Gegenargumente:
- die Leute können Sonntags dann nicht in die Kirche
- Familien werden zerrissen
- Nachtarbeit ist unzumutbar

Meine Gegenargumente:
- wer in die Kirche gehen will (die geschätzten 0.0001 % der Verkäufer/innen), kann das bestimmt mit dem Arbeitgeber regeln
- nicht jeder hat Familie
- Familie kann und darf ruhig auch unter der Woche stattfinden
- als Student, Rentner, Single ist Nachtarbeit auch mal ganz schön
- Nachtarbeit kann lukrativ sein (steuerfreie Zuschläge)

Wie bigott ist es bitte die Verkäufer/innen von der Sonntagsarbeit auszunehmen? Was ist mit Busfahrern, Krankenhäusern, U-Bahnfahrern, Fahrern der Deutschen Bahn, Polizei, Feuerwehr, Mitarbeiter im Kino, Schwimmbad, Zoo, Tankstellen, Verkäufer/innen von Reisenotwendigen Dingen, IT-Mitarbeitern in Bereitschaft, IT Projektmitarbeitern mit engem Zeitplan und damit 6 Monate andauernder Wochenendlicher Arbeit? Was ist mit Eisverkäufern, Bäckern, Zeitungsverkäufern? Was ist mit Sicherheitspersonal, Wachschutz, Aufsehern im AKW und Störstellen? Was ist mit den ganzen 24/7 Hotlines? Was ist mit Priestern, dem Papst oder anderen Arbeitern der Kirche? Wie sieht es für Mitarbeiter in Gaststätten oder dem Hotelgewerbe aus? Was ist mit den Handwerkern, die das Heizungsrohr auch am Sonntag flicken? Saunamitarbeitern? Bauern?

Liebe Verfechter der Sonntagsschließzeiten und ähnlichem – GEHT DOCH BITTE EINFACH! IRGENDWOHIN, wo Euch keiner hören muss! Sackzement! zefixhalleluja! Und bitte geht nicht am Sonntag in die Sauna, bedient bitte kein Telefon, geht nicht Tanken und lasst den Strom aus, kommt bitte nicht auf die demente Idee Sonntags ins Restaurant zu gehen, nutzt das Internet bitte nicht und lasst auch jedwede andere Geräte aus, die Energie brauchen. Fahrt nicht mit dem Auto, denn am Sonntag darf kein ADAC ausrücken – ihr wisst doch – und lasst das Radio im Auto aus, denn es darf am Sonntag nicht gesendet werden. Wo kämen wir denn da hin, wenn die Sonntags für Euch arbeiten müssten?! Fernsehen ist natürlich (schon mit der Abschaltung elektrischer Geräte aber auch sonst) verboten – die Tagesschau wird heute ja nicht gesendet, denn da arbeitet niemand. Montag früh, lest bitte keine Zeitung, denn die wurde am Sonntag produziert. Geht nicht in die Kirche – ihr unterstützt damit die Sonntagsarbeit. Kauft keine Blumen, Brötchen oder andere Dinge. Ihr unterstützt sonst die Sonntagsarbeit, stürzt die Familien ins Unglück und produziert Atheismus am Fließband!

Nur nicht aufregen.

16. August 2010

Moschee nahe Ground Zero

Filed under: On-Topic — Dennis @ 13:44

Im Tagesspiegel wird berichtet, dass es unter den Amerikanern wenig Befürworter für den Bau einer Moschee nahe des Ground Zero gibt. 68-70% der Amerikaner sei dagegen. Die Moschee nahe des Ground Zero soll ein Ort der Versöhnung werden. Ich bin gegen eine Moschee nahe am Ground Zero. Ich bin dafür, dass eine der größten Moscheen der Welt direkt auf dem Ground Zero gebaut wird.

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In a german newspaper, called “Tagesspiegel”, an article refers about the current plans of building a mosque close to ground zero. Which 68-70% of the americans do not want. The mosque is supposed to be a place of peace and conciliation. I am against a mosque close to ground zero. I plead for one of the biggest mosques in the world to be build directly on ground zero.

Dear Americans, don’t be afraid of foreign cultures, but embrace them. Millions of moslems still suffer from what only a tiny group of moslems did. Show the moslems in your country, that they belong into society and that your understanding goes beyond your own fear, pain and uncertainty. There is no enemy you could fight against – only a bunch of people did something terrible and the way of hatred a lot of you go just produces more death, violence and blood. See the thousands of dead soldiers in iraque and other places you fight against terrorism. Dead US men and women.

I do indeed feel for those who lost someone they loved in the WTC collapse – but more dead people don’t bring back what you lost. It’s the opposite, you risk the dear you got left. It’s about time to go to peace.

Consulting auf ABwegen

Filed under: On-Topic — Dennis @ 09:41

Ja, es geht scheinbar bergab mit der Consultingbranche. Das wird zumindest auf dem Portal von Handelsblatt und Wirtschaftswoche proklamiert.

Mit sogenannten Dumpingpreisen drängen die großen Unternehmensberatungen in die Spezialgebiete der mittelständischen Berater vor. Dumpinpreise heißt: Unter 3000 Euro Tagessatz. Während die großen Beraterunternehmen Tagessätze von 5400 im Schnitt nehmen, stürzen sie sich nun auf Aufträge aus dem Bereich der Mittelständler und verkaufen sich unter Wert. Ich finde gerade den PayPal Button nicht, aber ich wollte McKinsey 10 Euro zukommen lassen, als milde Gabe. Für 10 Euro kann ich mir etwas über 1 Minute Beraterzeit von McKinsey erkaufen. Kidding.

Es wundert mich ehrlich gesagt nicht, dass die großen Firmen darüber nachdenken Ausgaben im Consultingbereich zu reduzieren. Wenn man sich überlegt, dass ein Berater von McKinsey dasselbe kostet wie die Bezüge des Vorstandes oder mehr – da erwartet man natürlich bombastische Ergebnisse. Und die sind dank der Finanzkrise ausgeblieben. Punkt 1: Die teuren Berater waren nicht in der Lage die Krise vorauszusehen. Punkt 2: Die Beratung findet in Hinblick auf kurzfristige Ziele statt, Nachhaltigkeit Fehlanzeige. Punkt 3: Berater sind anscheinend nur noch Ausführungsgehilfen des Managements.

Zu Punkt 3: Wir haben das Anfang des Jahrtausends von unserem Professor so erklärt bekommen: Ein Unternehmen möchte 500 Mitarbeiter abbauen. Dazu holt es sich einen guten Berater. Der erstellt eine Betriebsanalyse, in der konstatiert wird, dass die Firma für den Cash Flow, BSC, USP und Turnaround zu hohe Personalkosten hat. Man müsse 500 Mitarbeiter abbauen, um das Gleichgewicht wieder her zu stellen, sonst geht der Betrieb den Bach runter. Ich weiß noch, wie der Professor vor uns stand, er hob jetzt die linke Hand nach oben, Handfläche in unsere Richtung. Der Chef stellt sich also vor seine Belegschaft und sagt: Schaut her, der Berater sagt, 500 Leute müssen entlassen werden. Das tut mir im Herzen weh, was er da sagt, aber ich denke, wir müssen das umsetzen. Der Berater und 500 Mitarbeiter gehen. Der Chef bleibt.

Also war es rund um das Jahr 2000 schon so, dass die Berater lediglich der verlängerte Arm des Managements waren. In 2005 konnte ich das in meiner Firma auch mal direkt nachvollziehen, da ging es “Warum müssen die Rechner auf die nächste Betriebssystemversion aufgerüstet werden” Antwort von einer gaaaaaanz großen (wir kennen sie alle) Unternehmensberatung sinngemäß (sie brauchten 40 Folien): Weil auf lange Sicht die Kosten höher sind bei der alten Version zu bleiben, als regelmäßig upzugraden. Ein Quantensprung! Wer hätte das gedacht! Hipp Hipp Hurray!

Äh, Schwamm drüber. Zu Punkt 2: Wenn ein Vorstand hochkarätig beraten wird, hat er zwei Dinge vor Augen: Einen Spiegel und die Restlaufzeit des Arbeitsvertrages. Wie man lesen kann ist die Fluktuation in der Vorstandsetage in den letzten Jahren gestiegen. D.h. der Vorstand kann kaum ein Interesse daran haben langfristige Ziele zu verfolgen. Denn langfristige Ziele bedeuten oft kurzfristige Einbußen, die Investitionen amortisieren sich nicht von heute auf morgen. Insofern ist evtl. ein Bonus gefährdet. Mal abgesehen davon werden Unternehmen (u.a. dank der Börse) ebenfalls nur äußerst kurfristig bewertet – und auch sonst kaum jemand in der Gesellschaft ist an langfristigen Zielen interessiert. Den Vorständen bläst der Wind aus jeder Richtung ins Gesicht, wenn sie für mittel- bis langfristige Ziele im hier und jetzt Opfer bringen. Es muss sich also niemand darüber wundern, wenn Unternehmensziele vorrangig auf die Quartalszahlen oder den Jahresabschluß fokussiert sind und weniger auf die nächsten 20 Jahre.

Punkt 1: Niemand besitzt eine Kristallkugel. Regelmäßig werden Firmenchefs (BMW bspw.) oder Regierungen von plötzlichen Gewinnen oder Verlusten überrascht, die man so vor drei Monaten für nicht möglich gehalten hat. Niemand kann sagen was morgen ist. Es gibt keine Sicherheit. Aber wir HÄTTEN das doch so gerne. Also zahlt man den Berater, in der Hoffnung, dass er einem sagt was morgen ist, dass er sagt: alles im grünen Bereich. Damit wir uns sicher fühlen können. Wir möchten eine Garantie haben, dass wir sicher sind. Dafür opfern wir nicht nur Geld, sondern auch andere Dinge, wie persönliche Freiheit oder Kreativität. Vorstände und Manager sind ebenfalls Menschen mit diesen Bedürfnissen und Ängsten. Im Grunde verkauft McKinsey Sicherheit in Tüten. Blöd, wenn die theroetische Sicherheit theoretisch bleibt, wie im Fall der Finanzkrise.

Wir leben in der Realität, in der weder gezaubert noch wahrgesehen werden kann. Solange alles gut geht glauben und hoffen wir, wenn es nicht mehr gut geht stehen wir vor dem Scherbenhaufen unserer Hoffnungen. Es ist Zeit aufzuwachen und den Berater wieder als Berater zu sehen. Jemand, der nicht betriebsblind ist und Probleme des Klienten aus der Vogelperspektive sehen kann, distanziert, nüchtern, neutral. Jemand, der in anderen Firmen gesehen hat was funktioniert und was nicht, der diese Erfahrung in das eigene Unternehmen einbringt und einem kostspiele Trial-and-Error Methoden erspart.

Was bedeutet das für die Zukunft? Was machen wir mit der nächsten Krise die uns überrascht? Vielleicht bin ich naiv, aber ein Identified Risk muss eine Risk Response haben. Soll heißen: Für den Fall, dass XXX von heute auf morgen kein Geld mehr verdient muss Geld zurückgelegt werden, soviel wie XXX braucht um sagen wir mal ein Jahr ohne Einkommen auszukommen. Wenn alles auf Kante genäht ist, wo ist der Puffer? Wieso hat man den Eindruck gilt für einen Konzern nicht das selbe wie für den Mittelstand?

2. August 2010

Fleisch II

Filed under: On-Topic — Dennis @ 14:18

Letztens diskutierten wir hier und da über den ethischen Hintergrund Fleisch zu essen. Schwamm drüber.

Bei Spiegelonline las ich jetzt über das Zusetzen von Sauerstoff in die Produktverpackungen von Fleisch, um das Fleisch möglichst farbecht zu halten, selbst wenn es ein paar Tage lag. Das ist natürlich ein wenig schade, weil und weil und überhaupt. Der Schrei nach dem informierten Verbraucher wird wieder laut, man solle doch diese und jene Information hinzufügen, nur dann ist eine informierte Kaufentscheidung möglich. Ja, genau. Verbraucherinformationen im Format der AGB der Telekom, 30 Seiten in Schriftgröße 4 – liest kein Schwein. Denn es ist natürlich nicht mit der Schutzatmosphäre getan.

Wie wurden die Viecher gezüchtet, gefüttert, geschlachtet, transportiert, gelagert? Jeder dieser Punkte ist eine Wissenschaft für sich, welche Beleuchtung auf die Schweine wann zu besserem Fleisch führen, ob das Namen geben und einzeln aufrufen der Schweine zum Futtertrog den Streß reduziert oder nicht, ob genetisch verändertes Material zur Fütterung verwendet wird oder nicht, ob im Kuh-Kraftfutter Fleisch, “Drogen”, Medikamente und wenn ja welche enthalten sind usw. usf. Ist das Vieh hier in Deutschland gezüchtet, gemästet und geschlachtet sowie zerlegt worden? Oder subventioniere ich mit dem Kauf den CO2 Ausstoß diverser Laster für den Transport der lebenden Tiere nach Polen und der Steaks nach Deutschland?

Nein nein nein, meine lieben Herren vom Gesangsverein, der 0815 Bürger kann und will keine 30 Seiten lesen für jedes Produkt das er kauft. Kinderarbeitet? FairTrade? Ist FairTrade nicht manchmal auch ein verlangsamer bei der Abschaffung von Kinderarbeit – ich las da kürzlich etwas, ich glaube es war in der GEO? Schokolade aus Niedriglohnländern, die Holzschachtel in der die Schokolade liegt aus dem Regenwald? Die Petersilie pestizidbehaftet? Die Socke kba oder lieber nicht?

Ich möchte dazu einen bescheidenen Vorschlag äußern, der teilweise von gewissen Herstellern bereits heute angewendet wird (irgendwo in der TK-Fischtheke): Der Vermerk einer ID auf dem Produkt, die man im Internet auf der Webseite des Herstellers nachschlagen kann. Dort kann die bestimmte Marke sich mal grundsätzlich auskotzen über alles, was sie macht oder nicht macht und ich kann mich einmal über die Marke mit den Grundsätzen informieren, andererseits das bestimmte Produkt in der SupplyChain nachvollziehen. Dann muss ich nicht bei jedem Einkauf darauf achten, ob das Netzteil des XYZ Brom enthält oder PVC sondern weiß, weil es der Hersteller so sagt, dass eben grundsätzlich im kompletten Herstellungsprozess den Grundsatz auf Verzeicht solcher Mittel gibt, ob beim Fleisch, Flachbildfernseher oder dem Teleskop (nur ein Beispiel).

Die Schuld für das aktuelle Verhalten der aktuellen Regierung in die Schuhe zu schieben finde ich im übrigen etwas unfair. Wenn wir uns heute über etwas beschweren, wie bspw. den Verbraucherschutz, den hat noch keine Partei in ihrer Legislaturperiode so hinbekommen, dass ich als Verbraucher in jedem Bereich zufrieden wäre. Grundsätzlich wird zu wenig intensiv und nachhaltig mit stumpfer Waffe gefochten, querbeet durch die Parteielandschaft. Hauptsache wir sind bedingungslos in Sachen Netzsperren, Vorratsdatenspeicherung und Pendlerpauschale. Da LOHNT es sich, sich mal aus dem Fenster zu lehnen (und rauszufallen und butterweich aufgefangen zu werden).

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