Bei Robert Enkes Tod waren sich die Medien darin einig, dass es durchaus verkraftbar ist, Freitode für eine höhere Auflage und mehr Klicks in Kauf zu nehmen.
Bei der Finanzkrise ist man sich offensichtlich ebenfalls einig, brisante Informationen möglichst nicht oder nur mal nebenbei weiterzugeben. Man will ja schließlich nicht die Leute in Panik versetzen. So las ich heute, nebenbei, in einem Artikel des Tagesspiegels:
In den USA forderte die Finanzkrise am Wochenende neue Opfer: Die US-Einlagensicherung FDIC schloss fünf weitere regionale Kreditinstitute. Der Sicherungsfonds wird voraussichtlich mit gut einer halben Milliarde Dollar einspringen müssen, wie die Behörde mitteilte. Damit sind in den drei Wochen seit Jahresbeginn bereits neun US-Banken gescheitert. 2009 hatte die FDIC 140 Kreditinstitute dichtgemacht. (Quelle: Tagesspiegel, )
Das heisst in etwa jeden dritten Tag wurde ein Kreditinstitut geschlossen. Natürlich wurde auch unterjährig “berichtet” – aber auf diese … nun ja … Katastrophe hat man kaum Titelblättern hingewiesen – geschweige denn ordentlich recherchierte Artikel veröffentlich. n-tv berichtete 22.08.09 und opferte ganze 25 Textzeilen für die Meldung.
Ich finde natürlich auch, dass Meldungen über Enke, Hartz 4 oder Big Brother vorrang vor solch Nebensächlichkeiten wie der Finanzkrise haben. NICHT. Auch Tagesspiegel scheint hier lediglich eine dpa Meldung relativ unreflektiert abzuschreiben, dabei finde ich wäre die Sache mal einen Hintergrundartikel wert. Ob die FDIC durch 140 Bankenschließungen tatsächlich in finanzielle Bedrängnis kommt, wie hoch die nicht ausgezahlten Einlagen ist, was das für Auswirkungen hat für die USA / Welt, wie es für dieses Jahr aussieht…
Es ist wirklich peinlich. Anstatt in der Privatssphäre von Bürgern nach Dreck zu wühlen sollte Journalismus mehr dem Bild entsprechen, welches gerade vom dpa-Chef propagiert wird. Nicht vorhandene Nachrichtenlöcher werden mit Gaffer-Sensationskraut gestopft. Wir haben interessante Dinge, die in der Welt passieren. Hört doch einfach mal auf, auf Seite 1 mit “Felsbrocken begräbt Wohnhaus” (Tagesspiegel) zu starten.